Kambodscha / Geschichte / Angkor
Nachdem in den vorangegangenen Jahrhunderten das Gebiet um das
Mekong-Delta und die kambodschanische Zentralebene unter der Oberhoheit
des Königreichs Java (im heutigen Indonesien) gestanden
hatte, erklärt der am Hof der javanischen Sailendra-Dynastie
geborene und aufgewachsene Khmer-Prinz Jayavarman II die
von den Khmers besiedelten Gebiete im Jahre 802 für
unabhängig von Java und gründet damit das Angkor-Reich
der Khmer. Er lässt sich nördlich vom Tonle Sap von
einem brahmanischen Priester als Devaraja (Gottkönig)
der Khmer krönen. Seine Hauptstadt verlegte er in den folgenden
Jahren mehrmals. Zunächst war es Indrapura (östlich
von Kampong Cham), dann Wat Phou (im heutigen Süd-Laos),
und schliesslich Roluos (bei Angkor).
889 wird Yasovarman I Khmer-König. Er beginnt
mit dem Bau Angkors, allerdings unter dem Namen Yasodharapura.
Yasovarmans Herrschaft dauert bis 900.
Im Jahre 1002 macht sich Suryavarman I gewaltsam zum König
der Khmer. Unter Suryavarman I erreicht das Angkor-Reich seine
bis dahin grösste Ausdehnung und umfasste weite Teile
des heutigen Thailand und Laos.
Nachdem Angkor von einer Armee des Champa-Königreichs
erobert worden war, erklärt sich 1080 ein nördlicher
Provinz-Gouverneur des Khmer-Reiches zum neuen König und
nimmt den Namen Jayavarman VI an. Er regiert das Khmer-Reich aus
seiner angestammten nördlichen Provinz.
1113 wird ein Neffe von Jayavarman VI zum Khmer-König
gekrönt; er nimmt den Namen Suryavarman II an. Während
seiner langen Herrschaft wird Angkor Wat gebaut.
1177 wird Angkor wiederum von einer Armee des Königreichs
Champa erobert. Jayavarman VII, ein Vetter von Suryavarman
II, wird 1181 Khmer-König. Unter seiner Führung
erobern die Khmer ihrerseits die Hauptstadt des Königreichs
Champa (im heutigen Vietnam), Vijaya. Unter Jayavarman VII erreicht
das Khmer-Reich seine grösste Ausdehnung; es umfasst
praktisch das ganze heutige Thailand und Laos, reicht hinein bis
ins heutige Burma, heutige Malaysia und heutige Vietnam. Jayavarman
VII tritt vom Hinduismus zum Buddhismus über und macht den
Buddhismus zur neuen Staatsreligion.
Im Jahre 1200 wird mit dem Bau einer neuen Inneren Königsstadt
begonnen - Angkor Thom. Da dieser gewaltige Bau die Resourcen
des Khmer-Reiches schröpft, wird es in den folgenden Jahren
von wirtschaftlichen Schwierigkeiten geplagt.
Einige Jahrzehnte dauert der Niedergang des Angkor-Reichs.
Im Westen des Khmer-Reiches werden thailändische Königreiche
zur dominierenden Macht, im Osten vietnamesische. Als
kleiner Pufferstaat gerät Kambodscha mal in Abhängigkeit
von den Thais, mal in Abhängigkeit von den Vietnamesen. Wollen
die Khmers sich von dem Joch des einen Eroberers befreien, brauchen
sie die Hilfe des anderen - der daraufhin verlangt, dass die Khmers,
gewissermassen zur Bezahlung ihrer Schuld, sich diesem unterordnen.
Nachdem wieder einmal die Thais das Khmer-Reich erobert hatten,
räumen die Khmer 1432 ihre Hauptstadt Angkor und überlassen
sie dem Dschungel.
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