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Blutige Familienfehde: Hinrichtung an Gleis 9 [Reupload] | SPIEGEL TV

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Es ist eine Hinrichtung in aller Öffentlichkeit.Auf dem Frankfurter Hauptbahnhof fallen im August 2024 Schüsse.An Gleis 9 zieht ein Killer eine Pistole und feuert dreimal auf den Kopf seines Opfers.Dabei handelt es sich um Abdulkadir Erüs, einen unbescholtenen Mann.Ihre Schuld ist, dass Sie Mitglieder dieser Familie sind.Der Schütze lebt seit 30 Jahren unauffällig in Deutschland.

0:33

Uraltte Vorstellungen von Schuld und Sühne haben ihn offenbar zum Täter werden lassen, ebenso wie einen weiteren Angeklagten mit Professorentitel, für den die Gebote der Familie mehr zählen als deutsche Gesetze.

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Diesem Angeklagten werfen wir vor, mehr oder weniger der Spiritus Rector dieser Tat gewesen zu sein.

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Dies ist die Geschichte zweier kurdischer Clans, in denen die Ehre über dem Leben steht.In jeder Familie werden Menschen sterben und in jeder Familie werden Menschen töten.Die Wurzeln der Tragödie liegen im Südosten der Türkei, in der Stadt Viranşehir bewohnt überwiegend von Kurden.Auch das Opfer von Frankfurt, Abdulkadir Erüs, lebte hier bis kurz vor seinem Tod.Mitte Februar treffen wir seine Angehörigen.Abdulkadirs Mutter und seine Schwester Rosalie sind bereit, mit Spiegel TV exklusiv über die Hintergründe des Dramas zu sprechen.

1:40

In den letzten zwei Jahren hat er nur noch ab und zu das Haus verlassen, um für ein paar Stunden Freunde zu treffen.Er war ein Mann, der niemandem wehgetan hat.Er war kein Mensch, der anderen Schaden zufügen konnte.Er hatte mit niemandem Streit.

2:00

sehen will, wohin diese Fehde zwischen zwei kurdischen Clans führt, muss auf den Friedhof von Wiranchie hier gehen.Das Grab rechts hat noch keinen Grabstein.Es ist die letzte Ruhestätte von Abdulkadir Erüs.Er hinterlässt eine Frau und vier Kinder.Gleich neben dem Opfer aus Frankfurt das Grab seines Vaters Sinan Erüs.Mit dessen Tod vor zehn Jahren begann der blutige Konflikt zwischen den Familien.

2:31

2016 hatte mein Onkel Streit mit der Familie Österkak.Weil mein Vater der Älteste in der Familie ist, wurde er von vier Männern in unserem alten Viertel in Wiranchie hier getötet.

2:47

In dieser Straße wurde Sinan Erüs erschossen.Der Vater von elf Kindern musste für schiefgegangene Drogengeschäfte büßen, in die seine Brüder verwickelt gewesen sein sollen.Er selbst hatte nichts mit kriminellen Machenschaften zu tun.Sinan Erüss Familie und ihre Widersacher die Österkaks stammen ursprünglich aus der Gegend nördlich von Wiranchie hier.In den Dörfern hier sind archaische Traditionen fest verankert.Dazu gehört auch die Rache, blutige Rache.

3:22

Mit Blut soll verlorenes Ansehen innerhalb der Gesellschaft wiedererlangt werden.Vergebung und Barmherzigkeit werden als Schwäche ausgelegt.

3:31

Wenn eine Person in irgendeiner Form verletzt oder getötet wird, dann ist dieses Kollektiv verpflichtet, dieses wieder auszugleichen.Ansonsten wird sie als schwach gesehen, wird in der Gemeinschaft nicht akzeptiert.In Extremfällen haben wir Fälle gehabt, in denen man von Blutrache abgesehen hat, dass einige Familien das Dorf oder dieses Gebiet verlassen mussten, weil sie gesagt haben, Personen, dienächste Runde.

4:12

Abseits der Luxushotels arbeiten viele Menschen mit kurdischen Wurzeln in der Landwirtschaft.Dazu gehört auch der Familienvater Ahmed Öztürkak.Er ist verwandt mit den Mördern, die 2016 Sinan Erus getötet haben.Am 4. Mai 2024 fährt er ins Dorf Kundu, wo er bei der Moschee Erdbeeren verkaufen will.Was dort dann geschieht, weiß Polizeireporter Adem Akalan.

4:42

Im Polizeifunk wurde über einen Vorfall berichtet, bei dem eine Person bei einem Attentat neben der neuen Moschee in Kundu getötet wurde.Mit meinem Partner bin ich schnell zum Tatort geeilt.Vor Ort erfuhren wir von den Augenzeugen und der Polizei, dass der Erdbeerverkäufer Ahmed Öztürkak von einem Mann namens Tasin Erus erschossen wurde.

5:09

Bei Tasin Erus handelt es sich um den jüngsten Bruder des acht Jahre zuvor ermordeten Sinan Erus.Nach Angaben der Polizei in Antalya feuerte er zwölf Schüsse auf den ahnungslosen Erdbeerverkäufer aus der verfeindeten Familie Öztürkak.

5:30

Nach unserer Recherche handelt es sich um die Blutrache für den Mord, der 2016 in Viyanche hier in der Region Şanlıurfa begangen wurde.

5:43

Tasin Erus ist nach seiner Tat geflohen und ist im

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noch untergetaucht.Es wird davon ausgegangen, dass er sich nach Deutschland oder Syrien abgesetzt hat.Bisher wurde er noch nicht gefunden.

5:59

Ahmet Öztakaks Ermordung löst eine Gewaltspirale in der Türkei aus.Seine Angehörigen brennen Häuser von Mitgliedern der Familie Eris nieder.

6:12

Aber das reicht den Hinterbliebenen nicht.Mit dem Beginn der Tötung einer Person beginnen die Menschen darüber zu reden.Die Leute gehen zu Besuch, die Frauen reden darüber.Unsere Eris verletzt, wir müssen sie wiederherstellen, die Betroffenen sowieso.Der soziale Druck ist extrem hoch, dass bei unseren Studien auch wirklich wir zeigen können, dass viele der Leute aufgrund des sozialen Drucks von drei Monaten bis fast sechs Monaten so stark ist, dass die Leute dann sagen, jetzt muss Ruhe herrschen und sind dann bereit, voneinander jemanden zu töten.

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Ruben, Netherlands

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6:44

Über das Internet wird die Blutfehde zwischen den Clans zusätzlich angeheizt.Beide Seiten überziehen sich in Posts mit Flüchen und Verleumdungen.Rosalie Eris zeigt uns, was von der gegnerischen Familie Öztakak nach dem Mord in Antalya veröffentlicht wurde.

7:01

Hier steht: Ich schwöre, dass ich diese zwölf Schüsse niemals vergessen werde.Es geht noch weiter.Sie beleidigen uns ständig, benutzen schlimme Schimpfwörter.Wie meine Mutter schon sagte, die anderen haben viele Männer und viel Geld.Wenn du viel Geld und Männer hast, kannst du hier alles machen.Die werden niemals aufhören.

7:25

Nach dem Tod des Erdbeerverkäufers Ahmet Öztakak schweben nun wieder die Männer der Familie Eris in Lebensgefahr.So flüchtet Abdulkadir aus Viranjehir nach Deutschland.

7:40

Er ist gegangen, weil er bedroht wurde und Angst hatte.hat gedacht, wenn ich in Deutschland bin, kann ich vielleicht nicht getötet werden.Und wie gesagt, die Familie Öztürkak hier in der Türkei bekommt finanzielle Hilfe von ihren Verwandten aus Deutschland.Deshalb können sie machen, was sie wollen.Wir haben Angst, von ihnen getötet zu werden.

8:04

Doch auch in Deutschland ist Abdullah Kadir Erüs nicht sicher.Im badischen Laa am Schwarzwald wohnen viele Angehörige der Gegenseite.Der lokale Dönerimbiss gehört dem Oberhaupt der weit verzweigten Familie Kemal Öztürkak.Er bekommt Fotos von Abdullah Kadir Erüs aus der Türkei zugeschickt.Der Mann stellte vor 30 Jahren einen Asylantrag.Damals gab er an, zur Minderheit der Jesiten zu gehören.

8:34

Nach Spiegel TV-Recherche eine Lüge.Eine Schlüsselrolle soll auch Ali spielen.Er ist Inhaber einer Immobilienfirma und Professor an einer französischen Universität.

8:49

Das ist schon eine Tragödie, weil viele dieser Menschen ihnen bewusst ist, dass sie ein Unrecht begehen.In Situationen, wo Frieden herrscht, die Leute nicht unter Stress sind, dann lehnen viele dieses Konzept der Blutrache zutiefst ab, dass es für sie etwas sehr niveauloses, etwas unmenschliches ist.Aber plötzlich wird sozusagen ein ein Verhaltensprogramm aktiviert, das scheinbar irgendwo unbewusst in sich getragen wird.Und dann können auch sogar Akademiker irgendwann mal die Kontrolle verlieren.

9:20

Mitte August 24 erreicht Abdullah Kadir Erüs Deutschland.Geflüchtet ist er über Albanien, Serbien und Ungarn nach Rheinland-Pfalz.In einem Dorf bei Kaiserslautern schläft er mehrere Tage bei einem Freund, auch ein Kurde aus der Heimat.Abdullah Kadir postet zwei Fotos aus dem Dorf. dem Dorf.und veröffentlicht ein bei TikTok, das von seinen Feinden gesehen wird.Dass er online überwacht wird, ahnt er nicht.

9:49

Mein Bruder hat mich angerufen, als er dort ankam.Er hat gesagt, Deutschland sei ein wunderschöner Ort.Wenn er eine Aufenthaltserlaubnis bekäme, wolle er seine Frau und seine Kinder nachholen.Auch mich und meine Mutter wollte er nachholen.Er sagte, so können wir die Feindseligkeit in der Türkei und die Zugehörigkeit zum Clan loswerden.

10:10

Am 20. August bricht Abdulkadir Erüs auf.Er will zu einem Bekannten nach Norddeutschland.Der Kurde nimmt einen Zug Richtung Mainz.Er postet bei TikTok wieder ein Live-Video aus der Regionalbahn.Die Ermittler finden das Video später auf den Handys der mutmaßlichen Mörder.

10:31

Nach den von uns geführten Ermittlungen gab es ein Livestream über TikTok, auf dem der Geschädigte zu sehen war.Und zu diesem Zeitpunkt befand er sich in einer Bahn und aus dem Hintergrund hört man eine Bahnansage, wo sich der Geschädigte gerade befindet.

10:48

Nächste Haltestelle Nahe.

10:51

Und das war für die Tatverdächtigen offensichtlich der Anlass zum „Jetzt können wir losschlagen“.

10:59

Um kurz vor 19 Uhr bekommt der Imbissbetreiber Kemal Öztürk in Laa am Schwarzwald das TikTok-Video.Er reagiert sehr schnell.Zusammen mit einem Neffen rast er los über die Autobahn nach Norden Richtung Frankfurt.Die beiden sind nicht die einzigen, die unterwegs sind.Ein zweites Auto mit drei Familienmitgliedern fährt ebenfalls los.Es sind zwei Neffen und ein Sohn des Oberhaupts.

11:27

Sie bekommen eine Anweisung über WhatsApp.Geht ihr Mainz. Geht ihr Mainz.

11:35

Nach den von uns geführten Ermittlungen wussten die Tatverdächtigen nicht, ob der Geschädigte in Mainz am Hauptbahnhof aussteigt oder möglicherweise bis nach Frankfurt weiterfährt.Und dementsprechend haben sie sich an diese beiden Orte verteilt, so dass sie an jedem der beiden Orte die Tat hätten ausführen können.

11:57

Die Killerkommandos bekommen über WhatsApp ständig neue Anweisungen.Ruft Hassan Ali an.Gemeint ist offenbar der Professor.Für die Staatsanwaltschaft spielt er eine entscheidende Rolle bei der Bluttat.

12:19

Diesem Angeklagten werfen wir vor, mehr oder weniger der Spiritus Rector dieser Tat gewesen zu sein.Er hat nach unseren Ermittlungen die Fäden in der Hand gehalten und sämtliche Beteiligte immer informiert, wo sich das Opfer zur Tatzeit aufhält.Und dementsprechend war er maßgeblich dafür verantwortlich nach unseren Ermittlungen, dass die Tat so geschehen konnte.

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12:48

Das erste Team sucht das Opfer auf dem Mainzer Hauptbahnhof.Doch es kommt zu spät.Abdul Kadir Erüs ist schon weg.Er hat die Stadt um halb neun mit einem Zug verlassen Richtung Frankfurt.Das zweite Team, Kemal Öztürk und sein Neffe, kommen um kurz vor neun in der Mainmetropole an.Es ist 20:53 Uhr, als sie den Hauptbahnhof betreten.

13:12

Sie suchen ihr Opfer zunächst bei den S-Bahnen auf der Zwischenebene.Dann gehen sie zu den Fernzügen.Um 20:57 Uhr erreicht Abdul Kadir Erüs den Hauptbahnhof.Er ahnt nicht, in welcher Gefahr er sich befindet. er sich befindet.Um 21:04 Uhr entdecken die Österkaks ihr Opfer am Gleis 9. Kemal zieht eine Browning-Pistole Kaliber 7,65 aus der Hosentasche und tritt von hinten an das artlose Opfer heran.Der Schütze feuert dreimal.

13:53

Der 56-jährige ist unmittelbar nach der Tat zunächst geflüchtet, konnte jedoch durch das überaus beherzte Eingreifen von zwei Bundespolizisten noch am Hauptbahnhof gestellt werden und an der Flucht gehindert werden.

14:08

Abdulkadir Erüs hat keine Chance.Die drei Kugeln sind in den Schädel eingedrungen und haben Verletzungen verursacht, die mit dem Leben nicht zu vereinbaren sind.Er stirbt vor Ort.Die Täter feiern die Hinrichtung, wie aus einer Nachricht im Gruppenchat der Österkaks hervorgeht.Gratulation an uns alle, wir haben genommen.Die Nachricht verbreitet sich auch rasch in der Heimat der verfeindeten Familien im Südosten der Türkei.

14:42

Als mein Bruder in Deutschland ermordet wurde, haben die Täter ihre Verwandten benachrichtigt, dass sie es erledigt haben.Im Dorf haben sie gefeiert und vor Freude in die Luft geschossen.Sie haben uns Nachrichten geschickt, dass sie ihr Ziel erreicht haben.Sie sagten, seht ihr, so tötet man.

15:01

Der deutsche Rechtsstaat hat jetzt die Aufgabe, die Bluttat vom Frankfurter Hauptbahnhof zu sühnen.Angeklagt sind sieben Männer der Familie Österkak wegen Mordes.Ein Achtter soll die Hinrichtung mitverabredet haben, so die Staatsanwaltschaft.Für die Angehörigen ist der Schütze Kemal ein Held, wie aus einer WhatsApp-Nachricht hervorgeht. wie aus einer WhatsAppNachricht hervorgeht.

15:24

Er hat es für uns getan, damit wir voller Stolz und frei sind, damit wir stolz sein können vor allen anderen Kurden, damit wir in Freiheit leben.

15:36

Wenn diese Community eine traditionelle Wertvorstellung hat, dann wird dieser Täter nicht als ein Mörder gesehen.Er ist einer Verpflichtung nachgegangen für dieses Kollektiv.Man sieht sie nie als wirklich als Täter, sondern eher auch in manchen Fällen sogar eher positiv.Ich will nicht sagen als Helden, aber für Leute, die sich aufgeopfert haben und erfahren eher Wertschätzung, als dass sie als Kriminelle oder Mörder angesehen werden.

16:02

Der Arm der deutschen Justiz reicht längst nicht bis in die türkische Provinz.In Viranjehir und den umliegenden Dörfern herrscht Angst vor der nächsten Runde in der Blutfee.

16:13

Wir können unser Haus immer noch nicht verlassen.Wir wollen, dass das aufhört.Wir wollen leben wie andere auch.Unser Ziel ist nicht das Töten.Wenn es das wäre, würden wir nicht hoffen, dass die Täter bestraft werden.

16:26

Wir hätten sie getötet.Ging es nach den Frauen der Familien Eryus und Öztakac, hätte das Morden ein Ende.Allerdings haben Mütter und Schwestern zu wenig Macht in Viranjehir.Sonst wären Abdulkadir und die anderen wohl noch am Leben. Leben.

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