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Russland: Was denken die Russen im Ural? | ARTE Reportage Reupload

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0:11

Es war im Februar 2022, einige Tage vor der Invasion in die Ukraine.Wir sind russische Journalisten und reisen gerne durch unser Land.In jenem Winter treten wir für unsere Reportage in einer kleinen Stadt mit 4.000 Einwohnern, 1.700 Kilometer östlich von Moskau.Sie trägt den ungewöhnlichen Namen Ferschampenoise nach der französischen Stadt Ferschampenoise.1814 kämpften dort die Soldaten Napoleons gegen die Koalitionstruppen, insbesondere gegen 2.500 Kosaken aus dieser Region Russlands.Dank ihnen gewann die Koalition die Schlacht.

0:52

Auch heute ist die Erinnerung an diesen Sieg noch sehr lebendig.Dieses Museum widmet ihm sogar eine Ausstellung.Sie zeigt traditionelle Gewänder, damalige Waffen und sogar eine Napoleon-Schmuckschatulle, eine historische Trophäe.Fühlen sich die Bürger von hier als Nachkommen der siegreichen Soldaten aus der Schlacht von Ferschampenoise?

1:19

Ja, sie fühlen sich als Nagaybarken, so nennt man die Kosaken.

1:23

Und sind sie stolz darauf?Aber sicher.Was bedeutet es ihnen Nagaybarken zu sein?Es gibt ihrem Leben einen Sinn.

1:32

Der Gedanke an ihre kosakischen Vorfahren, die zur Verteidigung unseres Vaterlandes in vielen Kriegen mitkämpften.

1:39

Für die meisten Russen gehört die militärische Stärke zum Nationalstolz.Unsere Machthaber investieren bereitwillig viel Geld in die Armee, die wir bis vor kurzem noch für eine der schlagkräftigsten der Welt hielten. schlagkräftigsten der Welt hielten.Auch im Festsaal spürt man diesen Stolz.Dort singen zwei Frauen für uns mit Inbrunst ein Lied vom ewigen Russland.Wir wussten bislang wenig über dieses Russland fernab der Großstädte.Nur selten waren wir hier in dieser Gegend am Rande des Urals.

2:41

Hier lebt es sich ganz anders als in Moskau.Die Kargheit erinnert an die Sowjetzeiten.Wir reisten dreimal über das Jahr verteilt in diese Region, um zu ergründen, warum die abgelegenen Provinzen unser Regime so unterstützen.Auf unserer ersten Reise im Februar trafen wir Bürger, die sich mehr über ihre Armut sorgten, als über einen drohenden Krieg.Wie Natasha.Sie möchte uns ihr Haus zeigen.

3:14

Hier stinkt's aber.Ja klar, so ist das hier.Im Sommer ist es noch schlimmer mit den ganzen Mücken.

3:19

Oh je.Und den Fliegen.

3:23

Es ist ständig kalt, weil das Wasser im Untergrund nicht fließt.Die Heizung funktioniert eigentlich.Trotzdem wird sie irgendwie nicht warm.Liegt wohl an den brüchigen und rostigen Rohren.Genau.Dabei wurden sie erst neulich repariert.

3:45

Aber es hat nichts gebracht.Mein Haus ist wie ein Stall für Schafe wunderbar.Es ist wie ein Schuppen.Ich habe den Sozialbehörden alle nötigen Belege über den unzumutbaren Zustand.meines Hauses geschickt.Bislang kam noch keine Antwort.

4:01

Hier sind fast alle Wohnhäuser marode.Auch die öffentliche Infrastruktur.Einige hundert Kilometer von Nataschas Haus entfernt steht ein Rathausgebäude.Viele der Büros sind in einem miserablen Zustand.Dennoch arbeiten dort noch Menschen.

4:17

Ich frage mich, wie man ein öffentliches Gebäude so verfallen lassen kann.Wie kam es dazu?Keiner hat Schuld.Es liegt an den Privatisierungen.Niemand fühlt sich verantwortlich für diesen Ort.Ist das schon lange so?

4:34

Oh ja, schon lange.Seit 30 Jahren?Ich weiß nicht genau.Mindestens 20 Jahre.Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verkam er nach und nach.

4:49

Vernachlässigt, aber dennoch bewacht.Wir werden energisch zum Verlassen des Ortes aufgefordert.In Russland sind Journalisten selten gern gesehen.

4:58

Was machen Sie hier?Raus hier!

5:00

Lassen Sie das.Wir gehen ja.Aber dann lassen Sie mich auch raus!

5:06

Sie könnten sich ja mal vorstellen.Wer sind Sie?

5:09

Das geht Sie gar nichts an.Raus!

5:11

Wir erfuhren nie, warum wir dort nicht filmen durften.Hier ist ohnehin alles brisant.Besonders die wahren Lebensumstände der Russen.Es fehlt den Familien an allem.Sie sind arm, aber stolz.Auf den Sieg über die Nazis im Dritten Reich, auch wenn 25 Millionen Menschen dafür starben.

5:38

Und sie sind stolz auf ihre unerschütterliche Leidensfähigkeit.Nie klagen sie.Eine Mischung aus Fatalismus und Resignation, gepaart mit Unwissen.Boris ist seit 24 Jahren Bürgermeister der Stadt und liegt ganz auf Linie des Regimes.

5:58

Russland hat niemals irgendwen angegriffen.Wir sind friedlich.Wir wollen keinen Krieg.Das sagen sie zumindestens im Fernsehen.

6:09

Das macht Angst.Halten Sie einen Krieg für möglich?

6:13

Ich will keinen Krieg.

6:15

Noch im Februar, wenige Tage vor der Invasion in die Ukraine, glaubte hier niemand an einen Krieg.Warum sollten wir auch unsere Nachbarn und Brüder überfallen?Das erschien so abwegig, dass ein Krieg völlig unmöglich und unvorstellbar schien.Die Russen hielten ihr Land für mächtig und friedlich.Und nun entpuppte es sich als schwach und aggressiv.Alexander ist Geologe.

6:36

Auch er glaubte nicht an eine Invasion der Ukraine.Die inneren Probleme unseres Landes bereiteten ihm größere Sorgen.

6:44

Wird es Krieg geben?

6:49

Bestimmt.Es könnte so losgehen wie in Kasachstan mit Aufständen, denn die Leute sind wirklich unzufrieden.Aktuell ertragen sie noch alles, aber das wird nicht ewig so weitergehen.

6:59

Halten Sie einen Krieg gegen die NATO für denkbar?

7:02

Wieso sollten die gegen uns kämpfen?Die haben doch schon alles bekommen, was wir haben.Unser Öl und unser Gas.Warum also Krieg führen?Nein, wir haben ihr schon alles gegeben, was wir haben.

7:14

Wenige Tage vor dem Einmarsch in die Ukraine hielten also alle einen Krieg für unwahrscheinlich.Selbst wir glaubten langsam an einen guten Ausgang.Die Wintersonne sorgte für Unbeschwertheit und Leichtigkeit.Auch bei Irina, die uns zufällig über den Weg lief.

7:31

Sind die selbst gemacht?Natürlich.Ich gebe doch keine 1500 Rubel für sowas aus.Ich weiß mir zu helfen.Ist das ein Skistock?Ja, genau.

7:42

Und der andere?

7:46

Das ist ein Besenstiel.Ich laufe jeden Tag damit.Sind Sie zufrieden mit der Leistung der Regierung für das Dorf und für das Land allgemein?Ich weiß es nicht.

8:01

Für Sie ist also alles in Ordnung, nur weil es so in den Zeitungen steht?Würden Sie sich wünschen, dass sich etwas ändert?

8:08

Sie haben die Straßen ausgebessert und asphaltiert.Ich wüsste nicht, was Sie sonst noch tun sollten.Was erfreut Sie im Leben?

8:16

Alles.

8:17

Alles ist gut.

8:18

Sind Sie glücklich?

8:21

Wie könnte ich das in meinem Alter nicht sein?Ich muss nur wissen, dass es meinen Kindern und Enkeln gut geht.Mehr brauche ich nicht zum Glücklichsein.Ich lebe seit 40 Jahren hier und mag alles, bis auf eines vielleicht.Es wäre schön, wenn die Stadträgenten etwas jünger wären.

8:42

Warum stört Sie das?

8:44

Sie sind zu alt und festgefahren.Sie tun nichts und wir stehen ohne Geld da.

8:53

Das in Moskau aufkommende Sebelrasseln war also hier kaum zu vernehmen.Die Russen interessieren sich nicht besonders für Politik, erst recht nicht für die im Ausland.Sie werden auch nicht dazu befragt.Die Bevölkerung vertraut darauf, dass Putin die richtigen Entscheidungen für das Land trifft und schert sich dabei nicht um seine nationalistischen Absichten.Es folgt also ein brutales Erwachen.Mit dem Beginn der Invasion verlor Russland offenbar vollends die Vernunft.

9:22

Der patriotische Rausch erstickte auch noch den letzten Funken kritischen Denken.Lieder, Texte, Kampfbilder und erste Siege fesselten die Menschen. Menschen.zunächst den Geist selbst nach den erst medial kaum erwähnten Niederlagen und der angekündigten Teilmobilisierung äbte die Begeisterung nicht ab zu dieser Zeit das war im September 2022 wollten wir wissen wie es nun in Feschampenois aussah scheinbar hatte sich nicht viel geändert bis auf diese unübersehbaren Plakate vielleicht Aufrufe an die jungen Männer sich der Armee anzuschließen zur Verteidigung der angeblich bedrohten Heimat wissen Sie noch letzten Winter filmten wir Sie ja und wir wollten Sie gern wieder besuchen also ich lebe noch und bin aktuell auch gesund mein Enkel wurde schon zweimal angefragt aber er sagt solange Sie mich nicht zwangsrekrutieren werde ich nicht freiwillig gehen das ist auch besser so hier trifft nämlich ein Sarg nach dem anderen ein die Särge werden ins Dorf überführt ja also wenn ich Dorf sage meine ich eigentlich die Region ich hörte davon mein Gott mein Gott der dritte Weltkrieg ist da oh mein Gott ich habe solche Angst die Fernsehbilder sind erschreckend diese ganzen Bombardierungen das macht mich vollkommen wahnsinnig oh mein Gott vergib uns wir wollen Sie nicht länger aufhalten seien Sie nicht traurig nein es geht schon ich stehe halt nicht gerne Mittelpunkt doch trotz ihrer Angst und entgegen aller Tatsachen leugnet Irina wer den Krieg zu verantworthat.Für sie steht fest, dass die Ukrainer Schuld daran sind.Die Regierung sagt, es sei ein Krieg gegen den Faschismus wie damals.

11:48

Ja, im Fernsehen sieht man ja auch die Parallelen.Dort herrscht ein faschistisches Regime.Sie knechten und töten.Was muss man nur für ein Monster sein, um die Zivilisten so zu bombardieren wie sie?Dieser Selenskyi gehört an einen Baum gehängt und ausgepeitscht.Hier gibt es nichts zum Teilen und trotzdem wollen sie Russland spalten.

12:18

Das macht Angst.

12:19

Warum wollen sie uns so spalten?

12:24

Warum können wir nicht in Frieden leben, wie Freunde?

12:26

Mit dieser Meinung ist Irina nicht allein.Die meisten Russen halten ihr Land nicht für den Aggressor.Das Wort Krieg ist ohnehin verboten.Man darf nur von einer Spezialoperation sprechen.Natürlich sind viele Opfer der Propaganda.Dennoch kann man sich auch in Russland vernünftig informieren.

12:47

Die Leute haben Internet.Unabhängige Seiten verbreiten vom Ausland aus neutrale Informationen, ohne die leiseste Zensur.Doch die meisten Russen wollen die Realität wohl gar nicht sehen.Auch der Geologe Alexander lebt noch dort.Zumindest er sieht das alles immer noch kritisch.

13:09

Kommt rein.

13:12

Nein, nein.Kommt mit.Das sind meine Paradestiefel.Früher befehligte ich eine Panzereinheit.Damals waren wir sehr gut ausgerüstet.Das war nicht wie heute.

13:23

Es ist eine Mobilisierung ohne Uniformen.

13:33

glauben Sie, wird passieren?

13:34

Das geht nicht gut aus.Es wird noch weitere Mobilisierungen geben.Die lügen sowieso alle.Heute sagen sie dies, morgen das Gegenteil.

13:44

Laut den Nachrichten kämpfen wir gerade gegen den Faschismus, wie einst unsere Großväter.Wie denken Sie darüber?

13:51

Uns geht es allen ähnlich.Bei Ihnen wie bei uns gibt es eine Schere zwischen Arm und Reich.Bei Ihnen ausgeprägter als bei uns.Die Armen haben nichts, nicht mal Bildung.

14:04

Alle Gutsituierten leben in den NATO-Staaten.

14:10

Sie haben dort ihr Haus und interessieren sich nur für ihr eigenes Leben dort.Ihre Kinder leben auch dort.Diese Leute müssen wir ersetzen, am besten demokratisch.

14:25

Aber das wird nicht passieren.

14:29

Ich glaube jetzt eher, das endet radikal.

14:31

Mit einer Revolution?Ja.

14:36

Darauf läuft es wohl hinaus.

14:38

Macht Ihnen das Angst?Mir nicht.

14:41

Für euch als junge Generation ist das sehr beunruhigend.Ich sorge mich nur um die Kinder.

14:46

Das wird wohl blutig.Es gibt keine Revolution ohne Blutvergießen.

14:50

Und was da gerade passiert, ist, dass etwa kein Blut vergießen.Wir eroberten Cherson und verloren es wieder.Sie sprachen von einer Armee in Bestform, sie erwies sich aber als schwach.Sie rekrutieren Soldaten, rüsten sie aber nicht aus, nicht mal mit einer Uniform.Sie fordern Geld von den einfachen Bürgern, aber nicht von den Oligarchen.Das alles macht mich sehr wütend.

15:17

Und geht eindeutig zu weit.

15:20

Reden Sie mit den Leuten darüber?Teilen die ihre Ansicht? Ansicht?Die schweigen doch nur.Nach sechs Monaten Krieg spüren wir nichts mehr von der Sorglosigkeit, die unsere erste Reise prägte.Die gute Laune draußen ist verflogen.Die Leute sind auf der Hut und äußern sich lieber zurückhaltend.

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15:55

Guten Tag.

15:58

Dürfen wir Sie fragen, was Sie hier auf dem Markt machen?

16:01

Nichts, ich gehe nur spazieren.Und wenn Sie doch mal reden, wird es schnell wieder abstrus.

16:15

Sie sollten wissen, dass es in der Ukraine alle möglichen Labors gibt.Dort entstanden die aktuellen Infektionen.

16:25

Sie meinen Covid?

16:26

Natürlich.Was glauben Sie denn, wo das herkommt?

16:30

Jeder sagt aus China.

16:31

Das wird behauptet, aber in Wirklichkeit wimmelt es in der Ukraine nur mal von Labors und einige von denen erzeugen das Milzbrandvirus.Das hätte zu uns hinüberschwappen können.Das ist wirklich erschreckend.

16:45

Ich bin 32 Jahre alt und habe mich als Freiwilliger gemeldet.Wenn wir kämpfen gehen, ist das alles vielleicht schneller vorbei.

16:55

Warum gehen Sie an die Front?

16:58

Na, ganz einfach.Jeder geht hin, also auch ich.

17:02

Es ist richtig so.

17:06

So können wir das eines Tages beenden.Auch mein kleiner Bruder hier kommt mit mir.Wir müssen Russland verteidigen.

17:17

Kennen Sie Leute, die schon an der Front sind?

17:20

Ja, ja, viele Freunde.

17:23

Und was sagen die?

17:25

Brüderchen, komm mal her und erzähl uns, was die Freunde sagen.

17:37

Ständig müssen sie kämpfen.Schlafen geht nicht, weil sie unter Dauerbeschuss stehen.

17:43

Und was denken eure Familien darüber?

17:47

Sie weinen.Sie wollen uns nicht gehen lassen.Aber es muss sein.Russland braucht uns jetzt dringend.

17:58

Die Ansichten der Marktbesucher folgen der Staatsdoktrin.Eine Mischung aus Patriotismus, Nationalismus und dem Wunsch nach Abrechnung mit dem als expansionistisch geltenden Westen.Hinzu kommt die große Sorge von einer als ungewiss empfundenen Zukunft.In ihren Köpfen hat sich der Krieg eingenistet.Februar 2023.Es ist wieder Winter in Vershampenous.

18:26

Vor einem Jahr marschierten die Russen in die Ukraine ein.Ein trauriger Jahrestag für uns und unseren Traum von einem demokratischen, toleranten und modernen Russland.Zum dritten Mal sind wir in dieser Region am Ural, in der stillen Hoffnung, dass die Grauen des Krieges die Menschen wachgerüttelt haben.Doch die aufgestellten Zets am Rande der Kleinstadt sind kein gutes Zeichen.Laut Umfragen unterstützt ein großer Teil der Bürger diese Spezialoperation.Auf unserer ersten Reise lernten wir Natasha kennen.

19:06

Damals lebte sie in einem alten, maroden Haus, das sie mit einem Stall verglich.Damals hoffte sie auf eine staatliche Beihilfe.für dringend notwendige Reparaturen.Guten Tag, da sind wir wieder.

19:27

Kommen Sie rein.

19:31

Wir würden gerne wissen, ob es geklappt hat mit den Beihilfen für Ihr Haus.

19:37

Nein, gar nicht.Nur Absagen.Ich hatte zu viele schlaflose Nächte.Mir reicht es wirklich.Wegen des Krieges gibt es keine Hilfen mehr für die Armen.Wieso erhalten manche denn Hilfe?

19:57

Im Gegenteil, stellt euch mal vor, ich bin arm, stricke aber Kleidung für die Soldaten und schicke die Pakete an die Front.Ohne diese Spezialoperation wäre es schon vorbei für uns.Die ausländischen Truppen wären schon da.Sie lauern vor unseren Grenzen.Wir wären erledigt.Die Amerikaner und die NATO hätten schon ihre Raketen hier stationiert.

20:22

Obwohl Russland die Ukraine angegriffen hat, sehen unsere Landsleute Russland als das Opfer.Laut internationalen Schätzungen starben bereits zwischen 80.000 und 120.000 russische Soldaten.Viel mehr als in Afghanistan oder Tschetschenien.Überall in der Region mehren sich die Gräber für die gefallenen Soldaten.Hier liegt Alexey.Er war 25 Jahre alt und lebt in Paris, einem Nachbardorf von Verschampe Noas, bekannt für seinen nachgebauten Eiffelturm.

20:55

Wir finden das Haus seiner Familie.Seine Mutter ist froh über jemanden zum Reden und zeigt uns Fotos von ihrem Sohn.Er wurde vor einigen Monaten im Donbass getötet. Donbass getötet.doch das erfuhren seine Eltern erst viel später.

21:20

Er ist verhungert.Man hat sie dort verletzt liegen lassen.Er starb, weil er sein Blut verlor.Wenigstens kam er nicht in Gefangenschaft und man fand ihn.Eigentlich hat er getan, was er wollte.Seine Frau hinderte ihn nicht am Fortgehen.

21:39

Ihr ist nichts vorzuwerfen, denn er war ein überzeugter Patriot.Aber der gute Sold war sicher auch ein Grund.

21:46

Wer soll mir jetzt helfen?

22:00

Wenn ich etwas brauchte, war er immer für mich da.Und jetzt bin ich allein und kann niemanden mehr um Hilfe bitten.

22:19

Auch eine Nachbarin von ihr verlor in der Ukraine ihren Sohn.

22:22

Er meldete sich freiwillig, zog als einer der Ersten an die Front.Die Panzer rollten wie in den Militärparaden.Sie sollten nur auf Befehl schießen.Alle Panzer in einer Reihe.Und dann wurden sie durch Bomben getötet.Die ganze Einheit wurde zerstört.

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22:44

Ruslan war erst 21 Jahre alt.Seine Leiche wurde für die Beerdigung in sein Dorf überführt.

22:48

Es war eine sehr schöne Zeremonie.

22:54

Alle waren da.

22:55

Auch der Regionalvorsteher und die Militärchefs.Es war sehr gut organisiert.

23:02

Die Leiche war verbrannt.

23:07

Wir hatten Angst, in den Sarg zu schauen.Sie rieten uns davon ab, und wir hielten uns daran.Ich sagte mir, dass er vielleicht gar nicht da drin lege.Ich lebe lieber mit der Hoffnung, dass er irgendwo in Gefangenschaft noch lebt.Ich warte lieber auf seine Rückkehr, statt zu denken, dass er tot ist.Wir hätten nicht gedacht, dass der Krieg so schlimm wird.

23:41

Natürlich rechneten wir mit Bomben auf den Donbass, aber an einen richtigen Krieg glauben wir nicht.Damals dachte ich mir, warum soll er sich nicht für die Front verpflichten?

23:52

Diese Familien halten die Invasionen in die Ukraine für richtig.Doch schon, weil sie mit uns reden, könnten sie beschuldigt werden, die Armee zu diskreditieren.Sie unterstützen das Regime weiterhin, obwohl das Leid größer wird und immer mehr Soldaten sterben.

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